Re:think – Zeitumstellung

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Warum wir alle mit der Zeitumstellung auf dem Holzweg sind und wie wir das Problem trotzdem lösen können.

Uhren
(Photo by Andrew Seaman on Unsplash)

Derzeit diskutiert die europäische Öffentlichkeit heftig über das Ende der zweimal im Jahr fälligen Zeitumstellung.

Befürworter von Sommer- oder Winterzeit und eine kleine Minderheit, die die Zeitumstellung beibehalten möchten stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Dabei wäre die Lösung so einfach:

Warum tun wir eigentlich alle so, als ob wir noch auf mechanische “Tick-Tack“ Uhren angewiesen wären?

Wenn man sich von dieser Vorstellung löst, findet man nämlich schnell zu einer naheliegenden Lösung, die auch noch signifikant besser wäre als alle bisher diskutierten Varianten, doch dazu gleich mehr. Befassen wir uns zuerst mit dem Problem:

Europa liegt vom Nordkapp bis zum Mittelmeer geographisch so, dass sich der Ausschnitt eines 24 Stunden Tages mit verfügbarem Tageslicht über das Jahr deutlich ändert. So stehen etwa in Deutschland am kürzesten Tag des Jahres (21.Dezember) nur 7-9 Stunden Sonnenlicht zur Verfügung, während es am längsten Tag des Jahres (21.Juni) 15 – 17 Stunden lang hell ist. Die Verschiebung der Zeit im Sommer dient dazu, dass man die langen hellen Stunden in der Sommernacht besser nutzen kann, während die Winterzeit den nutzbaren Tag relativ verschiebt, um am Vormittag möglichst früh über natürliches Licht zu verfügen.

Eigentlich eine ziemlich gute Idee, allerdings kommt die Umsetzung mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen: Der Mensch kommt halt leider nicht an seiner evolutionären Prägung mit innerer Uhr vorbei und zweimal im Jahr die Uhrzeit abrupt um eine Stunde zu verstellen wirbelt unseren cirkadianen Rhythmus übel durcheinander.

Was also tun, wenn wir die Zeit nicht mehr umstellen, wir es im Winter aber dennoch morgens hell haben und wir im Sommer lange draußen sitzen können wollen?

Nun, das Jahr besteht aus etwas mehr als 364 Tagen, dass heißt, wir könnten einfach 182 Tage lang die Uhr nachts eine Minute vorstellen und danach die nächsten 182 Tage die Uhr jede Nacht eine Minute zurückstellen.

Damit hätten wir sogar eine bessere Ausnutzung des verfügbaren Tageslichtes und keine gesundheitlich und gesellschaftlich negativen Auswirkungen.

Drängt sich die Frage auf, warum man das nicht schon immer so gemacht hat?

Eigentlich ganz einfach, es wäre sehr mühselig, täglich alle mechanischen Uhren anzupassen. Aber heute? Wir müssen unsere Uhren zunehmend weniger selbst umstellen. Die Uhr in meinem Handy, an meinem Rechner, meine Smartwatch, die Uhr im Fernseher? Alle synchronisieren sich selbst über das Internet. Und das wird zunehmen, nicht weniger werden.

Hinweis am Rande: Die Tageslänge ändert sich natürlich nicht linear jeden Tag um eine Minute – das Beispiel dient lediglich der Illustrierung. Tatsächlich schwangt die Änderung über das Jahr bei 50° Nord zwischen etwas über 4 und null Minuten. Siehe folgende Grafik:

Änderung Sonnenlicht pro Kalendertag
(von Herbertweidner aus der Wikipedia)

Selbstverständlich liesse sich auch eine solche Kurve problemlos in einer dynamischen Zeitanpassung umsetzen.

Also weg mit der Zeitumstellung: Her mit der dynamischen Zeitanpassung!

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